Montagsgespräche zum gesellschaftlichen Wandel

Werkstatt für Menschlichkeit


Wir haben es gut, sind alle satt, haben es warm, leben so lange Zeit schon in echtem Frieden und individueller Freiheit.

Dank einer funktionierenden Demokratie! Dank aller, die dazu helfen.

Manches haben wir im Überfluss, wovon andere zu wenig haben. Es ist für uns selbstverständlich, davon abzugeben. Menschlich zu helfen, wo Not ist. Das sind unsere Werte.

In Anlehnung an die friedlichen Montagsdemonstrationen in Leipzig vor mehr als 30 Jahren und vielen anderen Arten von Friedensgesprächen in aller Welt, treffen wir uns jeden 2. Montag im Monat um 19 Uhr im Ausstellungsraum der Schreinerei in Thurnau (s.u.) zu Gesprächen, um all die guten Dinge zu benennen, die uns umgeben, um nach Antworten zu suchen, auf fragwürdige Ansinnen verschiedener Mitmenschen, um einen Umgang zu finden mit dem erschreckenden Erstarken der Neuen Rechten, und um unsere ganzen positiven Kräfte zu mobilisieren

Wer mit uns an diesen Themen arbeiten will, ist herzlich willkommen.

Mit verschiedenen Veranstaltungen

In losen Folgen veranstalten wir Events, Vorlesungen, Vorträge, Ausstellungen, zu denen wir jeweils herzlich einladen. Schauen Sie regelmäßig unter Veranstaltungen nach, was gerade geplant und vorbereitet wird. Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Am vergangenen Montag, dem 14. September 2020 beschäftigten wir uns hauptsächlich mit den Themen, die rund um Corona erschreckend markant erscheinen. Diese Verlautbarung haben wir verfasst und an verschiedenen Tageszeitungen der Region verschickt:

 

Corona: Verschwörung, Humbug oder Chance?

 

 

 

Die Montagsgespräche Thurnau haben sich mit dem Thema Corona beschäftigt: die Corona-Politik macht vielen Leuten ihre Einsamkeit deutlich, viele fühlen sich im Kern verunsichert und es gibt genug Menschen, die wegen der wirtschaftlichen Konsequenzen um ihre Existenz bangen. Hinzu kommt die öffentliche Diskussion zur medizinischen Bekämpfung der Pandemie, die einen leicht überfordern. All das bringt so manchen an seine Belastungsgrenze, bei nicht wenigen äußert sich das in Wut.  

 

 

 

Eine solch umfassende Verunsicherung verschafft Verschwörungsmythen Hochkonjunktur. Hier wird endlich etwas geboten, an dem man sich in unklaren Zeiten orientieren kann.  Immer wieder wird dabei von der Missachtung des Grundgesetzes gesprochen. Art. 2 Abs. 2 des Grundgesetzes lautet: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“ Aber wer nimmt wem das „Recht auf körperliche Unversehrtheit“?:

 

- Derjenige, der allen Menschen die freie Bewegung überlässt und damit grassierende Ansteckungswellen lostritt

 

- oder derjenige, der diese Bewegungs-Freiheit für eine absehbare Zeit unterbindet, um möglichst viele Bürger vor einer solchen Krankheit zu schützen?

 

 

 

Es ist mit dieser corona-bedingten gesetzlichen Freiheitseinschränkung nicht viel anders, als mit jedem anderen Gesetz: Würden sich alle Menschen vernünftig und sozial verhalten, bräuchten wir keine Gesetze und keine Einschränkungen. Sehr leicht ist das an Hand der Straßenverkehrs-Gesetzgebung nachzuvollziehen.

 

 

 

Derzeit versuchen viele, dem Staat und der Regierung zu unterstellen, die derzeitigen Einschränkungen als Versuch der massiven Unterdrückung und Demonstration der Macht zu nutzen. Es fragt sich nur, warum diese Regierungen sich so viele Schwierigkeiten verschaffen sollten mit all dem daraus folgenden volkswirtschaftlichen Desaster?

 

 

 

Aber dieser Frage stellen sich die selbsternannten Widerstandskämpfer nicht, die in Corona-Zeiten Hochkonjunktur zu haben scheinen mit den wirrsten Verschwörungsmythen vom geplanten Weltuntergang bis hin zur Machtübernahme durch ein geheim operierendes Großkapital. Diese Internetaktivisten, die sich inzwischen dank tausender zahlender Follower eine satte Selbstständigkeit als Agitatoren finanzieren können, nehmen unter dem Überbegriff „Querdenken“ ungerührt in Kauf, dass ihnen inzwischen auch jede Menge Demokratie-Feinde zujubeln und dabei ein lebhafter Aktionismus des rechten Spektrums zu beobachten ist.

 

 

 

„Direkte Demokratie“ wird dabei als Kampfbegriff eingesetzt und es ist erschütternd, mit welch windigen, sich zumeist selbst widersprechenden populistischen Sprüchen um Gefolgschaft gebuhlt wird. „Mainstream-Medien“ wird zum allgegenwärtigen Schimpfwort. Damit wird alles abgetan, was nicht dem jeweiligen Netzwerk-„Fenster“ angehört, dem diese Follower gerade ihren ganzen Glauben schenken. Dabei können wir gar nicht dankbar genug dafür sein, dass wir in einer funktionierenden Demokratie leben, die unter anderem über einen demokratisch eingesetzten Rundfunkrat und über ein einklagbares Pressegesetz verfügt.

 

 

 

Selbstverständlich setzen sich die Montagsgespräche Thurnau dafür ein, zweifelhafte oder impraktikable Maßnahmen im Umgang mit der Pandemie zu benennen und zu verbessern.         Aber statt all der verschwörungs- und rechtslastigen sogenannten Querdenkerei sollten wir versuchen, die derzeitige Situation als Chance für ein grundsätzliches Überdenken unseres gesellschaftlichen Zusammenwirkens zu sehen, um kostbare gegenseitige Rücksichtnahme zu fördern und in Selbstbeschränkung den so nahe liegenden Reichtum unserer Lebensbedingungen zu nutzen!

 

 

 

Und es gibt auf diesem Feld so dermaßen viel zu tun gerade, was alles so viel  wichtiger ist, als die Frage, ob der eine Verschwörungsmythos richtiger ist oder der andere! Nur ein paar Beispiele:

 

 

 

- eine konsequente Mitarbeit unseres Landes an der Bewältigung der Flüchtlingskatastrophe, wie sie sich derzeit auf den griechischen Inseln unerträglich zuspitzt

 

- der soziale Ausgleich für all diejenigen, für die in unserem Lande nicht der allgemeine Bildungs- und Lebensstandard möglich ist

 

- die endlich konsequente Bearbeitung der Klima-Katastrophe mit all ihren Problemstellen von Dürre bis Waldsterben, von Fluchtursachen bis zu Luxus-Denken, von Flugscham bis Bewegungsfreiheit usw.

 

- die Bewahrung unserer Freiheit nach dem Solidaritätsprinzip

 

- die Entlarvung nationalistischer Herrenmentalität

 

- die Umstellung unserer Wirtschaft von endlosem Wachstum und Ressourcenver-schwendung hin zu Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft

 

- die Sicherstellung von Bildung für alle, von freier Forschung, Kultur und Kunst

 

- und selbstverständlich die gleichrangige Grundversorgung aller in Europa, diesem unserem nahezu reichsten Kontinent der Welt

 

 

 

Die Montagsgespräche Thurnau fordern dazu auf, die  Corona-Einschränkungen als ein vernünftiges Instrument der gegenseitigen Unterstützung zu bejahen, damit wir auf diese Art gelebte Solidarität als eine kostbare Chance zum Entdecken all unserer sozialen Fähigkeiten sehen!

 

Texte

Toleranz

Eben noch schien uns die Welt hier so schön,

kein Krieg hier, kaum was von Armut zu sehn,

der Gedanken sind viel,

man kann sagen, was man will,

uns geht´s so gut

wie wohl das tut.

Dann auf einmal da draußen in der Welt

bricht auseinander, was zusammen hält,

Wahnsinn, Terror, Krieg und Mord

brechen auf an einem, dem anderen und noch einem Ort...

Erich Kästner

Ihr und die Dummheit zieht in Viererreihen
in die Kasernen der Vergangenheit.
Glaubt nicht, daß wir uns wundern, wenn ihr schreit.
Denn was ihr denkt und tut, das ist zum Schreien.

 

Ihr kommt daher und laßt die Seele kochen.
Die Seele kocht, und die Vernunft erfriert.
Ihr liebt das Leben erst, wenn ihr marschiert,
weil dann gesungen wird und nicht gesprochen.

ZEIT FÜR WERTE

Diese wertvollen, kostenlosen Hefte über Werte in unserer Gesellschaft liegen an vielen Orten aus.

 

Im letztveröffentlichen Heft "Toleranz" haben wir mit zwei Beiträgen mitgewirkt. Lesen Sie diese interessanten Heftchen, wenn Sie sie finden, oder bestellen sie bei: www.Zeit-für-Werte.de